Zitatbild von Monika Redman, AI & Transformation Strategist: „Vertrauen lässt sich nicht prompten. Transformation auch nicht." – Weißer Text auf dunklem Hintergrundfoto, Autorin im Porträt. Themen: KI-Strategie, organisationale Transformation, Active Listening, Vertrauen in Organisationen, Mensch-KI-Interaktion.
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Vertraust du deinem Kollegen genauso wie deinem KI-Begleiter?

Diese Frage lässt mich nicht los. Denn meine ehrliche Antwort: leider nicht immer.

Ich habe Gespräche mit einem Chatbot geführt, bevor ich sie mit einem Menschen geführt habe. Schwierige Nachrichten sorgfältig vorbereitet, potenzielle Konflikte durchgespielt, die rasenden Gedanken sortiert. Nicht weil die KI besser zuhört. Sondern weil sie nicht urteilt, nicht unterbricht, nicht abgelenkt ist.

Und genau hier steckt noch eine Frage, die mich fast schon mehr beschäftigt als die erste: Was passiert mit unseren menschlichen Fähigkeiten, wenn wir das Unbehagen des direkten, echten Dialogs umgehen? Was passiert etwa mit der Fähigkeit, richtig zuzuhören?

Amanda Ripley, investigative Journalistin und Bestsellerautorin im Bereich Konfliktmanagement, bringt es auf den Punkt: Wir dürfen „Active Listening“ nicht an Chatbots outsourcen. Weil der Muskel für das Zuhören nur durch echte Übung gestärkt und erhalten bleibt. Es erfordert Präsenz, Geduld, und vor allem das Aushalten von Unklarheit im Dialog mit einem anderen Menschen.

Active Listening ist eine wichtige kognitive Fähigkeit mit messbaren Konsequenzen. Studien belegen, dass Menschen, die sich wirklich gehört fühlen, klarer denken, weniger defensiv reagieren und offener für andere Perspektiven sind. In Organisationen, die transformieren, ist das ein Must-have: keine Transformation ohne die Fähigkeit, aufeinander zuzugehen.

Es passiert unbewusst, ganz nebenbei. Niemand hat von heute auf morgen beschlossen, echtes Zuhören oder sinnvolles Antworten abzuschaffen. Es verschwindet einfach. ChatGPT, Claude und Gemini sind immer für uns da. Das ist bequem, effizient, einfach. Ein Gegenüber, das niemals müde, niemals ungeduldig und niemals abgelenkt ist.

Tausende Memes behandeln das schon: zwei Personen im Gespräch, die vor ihrer Antwort erst die KI fragen müssen, was sie sagen sollen. Lustig ist es – weil wir kollektiv über etwas lachen, was wir noch nicht als Problem benennen. Ich bin überzeugt: Wer schwierige Gespräche regelmäßig erst mit der KI vorstrukturiert, trainiert sich das Aushalten von Echtzeit-Unklarheit ab. Den Moment, in dem ein Gespräch kippt. In dem jemand etwas sagt, das man nicht erwartet hat, und man entscheiden muss, ob man weiter zuhört oder bereits antwortet. Genau dieser Moment fehlt im Dialog mit der KI.

Im Dialog entsteht Vertrauen. Und Dialog braucht Übung.

Ich frage mich: Wenn wir das schwierige Gespräch lieber mit der KI vorbesprechen oder gar vollständig führen – was sagt das eigentlich über das Klima in der Gesellschaft oder in Organisationen? Über das Vertrauen, das wir füreinander aufgebaut haben – oder auch nicht?

Vertraust du deinem Kollegen genauso wie deinem KI-Begleiter? Und falls nicht – was müsste sich ändern, damit die Antwort ja wäre?


Disclaimer: Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten sind meine persönlichen und stehen in keinem Zusammenhang mit meinem aktuellen Arbeitgeber oder vorigen Arbeitgebern.